Chronik

Von Damals bis Heute

 

Wer waren diese Männer, die im Jahre 1887 einen Verein unter dem Namen „Singkränzchen“ gegründet haben? Sie trafen sich zu einer Zeit, unter der sich die meisten von uns kaum etwas Genaues vorstellen können und die selbst der oft schon lange verstorbene Großvater gerade einmal als Kind miterlebt hat.


In dieser Zeit, in der uns viele Werte und Ansichten, die in den Statuten der ersten Satzung vom 4.12.1887 (noch im Original vorhanden) niedergeschrieben sind, heute teilweise sehr fremd erscheinen, war es dennoch eine Ehre, mit vielen Pflichten dem Verein angehören zu dürfen.

 

 

Gründungsmitglied Jean Hahn

 

So geht es weiter.

 

Und trotzdem haben 51 Gründungsmitglieder unseres Dorfes (damals 520 Einwohner) die Satzung unterzeichnet und waren mit Leib und Seele dabei. Es wurde gesungen, Theater gespielt — es wurde Gemeinschaft praktiziert.


Mit der Satzungsänderung vom 5. Januar 1895 wurden die Statuten nach unserer heutigen Auffassung sogar noch einmal wesentlich verschärft.


Und dennoch - es war ein Stück Freiheit, die Freiheit sich zu treffen, ohne dass eine Verschwörung vermutet wurde, die Freiheit des Singens, des Liedes und damit auch die Freiheit der Gedanken. Es war das Erleben der eigenen schöpferischen Kraft. Es war etwas, was aus dem Alltag herausragte.


All das erfolgte natürlich ohne die Ablenkung, die die moderne technisierte Welt mit sich bringt, und es war natürlich auch der Reiz des Neuen.


Nach dem Ersten Weltkrieg taucht erstmals im Jahre 1927 der Vereinsname „Liederkranz“ auf. Wie sehr man sich mit dem Verein identifizierte, zeigt auch die Anschaffung eines Klaviers im Jahre 1928, welches aus Vereinsmitteln alleine nicht finanziert werden konnte. Es wurden von den Sängern unverzinsliche Anteilscheine erworben, die innerhalb von sechs Jahren zurückgezahlt wurden.

 

Der Schatten des Zweiten Weltkrieges legte sich auch auf den Verein. Jahreshauptversammlungen, wie die aus dem Jahre 1943, fanden nur noch im kleinsten Rahmen statt. 20 der 49 Sänger waren einberufen. Dem Vereinsführer, der schwerverwundet im Lazarett lag, wurden Genesungswünsche übermittelt, und es wurde der Gefallenen gedacht.


Nach dem Zusammenbruch ruhten die Aktivitäten verständlicherweise. Im Januar 1948 traf man sich im Vereinslokal Steimar zur „Neugründung“. In der Chronik des Vereins wird diese Versammlung wie folgt kommentiert:


Es ist wie überall nach dem verlorenen Kriege, dass alles von vorne wieder anfangen muss, so auch bei uns im Verein.

 

Obwohl der GV schon über 50 Jahre besteht, musste er tatsächlich unter Chormeister Frank neu gegründet werden.


Im März 1948 fand im Saale Steimar der erste Liederabend des „erneut belebten“ Vereines mit über 400 Gästen statt. Ende 1948 verfügte der Verein über 54 Sänger.


Am 1.12 des gleichen Jahres wurde dann auch der Gemischte Chor auf Anregung des Chorleiters Frank ins Leben gerufen. Aus dem gemischten Chor ging viel später auch der Frauenchor hervor, so dass wir heute über drei Chorgattungen verfügen.


Die Leitung der Chöre war, wie aus der folgenden Auflistung hervorgeht, in den verschiedenen Orten meistens Sache der Dorfschullehrer, die oft auch noch in der Kirche die Orgel spielten.

 

Gemischter Chor 1957

 

Chorleiter des Vereins:


1887 Lehrer Brandt
1887 Lehrer Fröhlich
1891-1893 Musiker Valentin Kehres
1893-1913 Lehrer Wack
1913-1914 Musiker Adam Keidel

1914-1919 keine Aktivitäten

1920-1952 Männerchor: Hauptlehrer Nikolaus Frank
1948-1953 Gemischter Chor: Nikolaus Frank
1/1953-2/1956 Männerchor: Wilhelm Blackert
10/1953-1/1956 Gemischter Chor: Wilhelm Blackert
3/1956- 4/1956 Lehrer Wege
5/1956-1/1957 Männerchor: Nikolaus Frank
5/1956-12/1957 Gemischter Chor: Nikolaus Frank
1/1957-3/1957 Lehrer Salzmann
3/1957-5/1957 Bezirkschorleiter Stang, HEF
5/1957-1111957 Lehrer Dinter
11/1959-6/1960 Lehrer Kaiser
6/1960-10/1960 Siegfried Heinrich und Fritz Braun
10/1960-10/1961 Lehrer Hermann Rück
10/1961-2/1965 Heinrich Braun
10/1961-1967 Gemischter Chor: Heinrich Braun
2/1965-7/1985 Männerchor: Gerhard Henning
1968- 10/1978 Frauenchor, Gemischter Chor: Emmi Köhler
10/1978-7/1985 Frauenchor, Gemischter Chor: Gerhard Henning
10/1985-9/1998 alle Chorgattungen: Karl-Heinz Hassenpflug
9/1998- 9/2001 alle Chorgattungen: Hubertus Spill

10/2001-12/2004 alle Chorgattungen: Helgo Hahn

01/2005-04/2011 alle Chorgattungen: Oliver Breul

Ab 04/2011 alle Chorgattungen: Alexander Maier

 

Gemischter Chor beim Kirchenkonzert

 

Im früheren Schulsystem mit acht Unterrichtsjahren in der örtlichen Volksschule ergab sich natürlich auch eine gewisse Möglichkeit der „Rekrutierung“ neuer Sängerinnen und Sänger. Allerdings wird heute niemand mit schulmeisterlicher Strenge zum Singen bewogen. Bei uns kann heute mitsingen, wer will und wem Musik Freude macht. Meist ist es nur die berühmte Hemmschwelle, die überwunden werden muss.


Geübt wurde seit der Gründung des Vereins in der Wirtschaft Paul, die später in Besitz der Familien Steimar, Bongini und Liese übergingen. War der Sängerbetrieb in der Gaststätte einmal nicht möglich, so wurde früher in der „Alten Schule“ gesungen. Am 10. Januar 1987 erfolgte der Umzug in das Bürgerhaus in der Schulstraße. Folgende Personen waren als Vorsitzende in den 125 Jahren mit ihren Vorstandskollegen für die Geschicke des Vereins verantwortlich:


1887- 1910 Adam Eyert, Georg Böttner, Wilhelm Hahn, Adam Kaufmann, Johannes Bock,

Nikolaus Grebe und Peter Goßmann


1910- 1933 Georg Braun
5/1933-1/1937 Heinrich Goßmann
1/1937-4/1959 Heinrich Braun
4/1959-1/1961 Hans Hahn
1/1961-3/1963 Adam Leist
3/1963-8/1963 unbesetzt
8/1963-1/1989 Fritz Gottbehüt
1/1989-1/1997 Berthold Schäfer
1/1997-1/2003 Walter Zerr

Seit 01/2003 Wilfried Lippert


Ob zu freudigen oder auch zu traurigen Anlässen, immer haben wir versucht, mit unserem Gesang dem jeweiligen Ereignis einen würdevollen Rahmen zu geben.

 

Zahlreiche Familienabende, Sängerfeste, Gottesdienste, Vereinsfeiern und andere Festlichkeiten wurden von den Chorgattungen veranstaltet oder mitgestaltet. Viele Ältere können sich noch an große Sängerfeste erinnern, die mit einem großem Umzug durch das Dorf begannen (als kleiner Junge konnte man sich damals 50 Pfg für das Schildertragen verdienen) und als großer „Sängerwettstreit“, zum Beispiel in Zelten auf dem Friedloser Sportplatz an der Fulda, fortgeführt wurden.


Natürlich waren und sind die Auftritte das Salz in der Suppe. Ob im kleinen Rahmen, ob vor großem Publikum, oder sogar im Rundfunk, immer sind es die gleichen Gedanken und Gefühle, mit denen sich die Sängerinnen und Sänger auseinander zu setzen haben. Die Spannung und das Lampenfieber vor dem Auftritt und die Befreiung und Freude danach, wenn alles vorbei ist, besonders, wenn es gut geklappt hat.


Das Hinwegsetzen über politische Grenzen, die Kontakte zu den Freunden aus Gumpelstadt, die schon seit l954 begründet und gepflegt wurden, ist auch ein Maß für die Dimension der Vereinsarbeit.


Dies alles hat das Chorleben so interessant, so angenehm wichtig für uns gemacht.
In dieser Zeit müssen wir auch erkennen und akzeptieren, dass eine Veränderung in der Gesellschaft stattfindet. Der Wille, in einer Gemeinschaft selbst etwas zu tun, sich nicht nur berieseln zu lassen, nicht nur zu konsumieren, ist besonders in der jüngeren Generation immer weniger zu erkennen. Das ist nicht nur das Problem der Gesangvereine, das ist überall zu spüren. Junge Menschen, die schon mit Terminkalendern herumhetzen, die im Vereinsleben eine Bindung vermuten, die den Traum von der individuellen Selbstverwirklichung hemmen könnte, die sich der modernen technischen Revolution jedoch bedingungslos unterordnen müssen, diesen jüngeren Menschen müssen wir unsere „Ware“ Chorgesang im Verein wieder schmackhaft machen.
Die Chorliteratur haben wir im MGV Friedlos der neueren Zeit angepasst. Das Repertoire reicht vom romantischen Chorsatz über anspruchsvolle Kirchenmusik bis hin zum modernen Schlager.


Der Verein umfasst zurzeit ca. 146 Mitglieder. 58 aktive Sängerinnen und Sänger laden zum Mitsingen ein.

 

Vereinsfahne